Laub rechen im Herbst

Effizienz-Studie im Herbst

von admin am 9. November 2009

Es ist Herbst. Die Bäume sind müde und lassen alten Ballast fallen: Ihre Blätter. Dieser Abfall ist den (deutschen) Rentnern, Taugenichtsen und Gelangweilten ein Dorn im Auge. Es geht so schon seit Jahren. Die Blätter fallen und die Häcksler werden ausgepackt. Es handelt sich hierbei um eine Effizienz-Studie. Diesmal mit dem Thema Herbst. Falls du dich in dem folgenden Beitrag wiederfinden solltest, ist das pure Absicht und keinesfalls ein Versehen. Du solltest damit leben können, dass du dich lächerlich & laut verhältst. Du störst mich geradezu. Ich verachte dich nehme dich nicht länger ernst.

Blasen, Häckseln, Saugen

Die Überschrift sieht auf den ersten Blick aus wie ein schlechter Pornotitel, allerdings beschreibt er vielmehr den Vorgang, den ich seit einigen Wochen (es ist Herbst!) ertragen muss: Blätter werden gesammelt, gehäckselt und anschließend wieder aufgeklaubt. Das ist purer Wahnsinn. Liebe Rentner, Arbeitslose und sonstige Langweiler, ihr geht mir auf die Nerven. Ihr sitzt 94% eurer Zeit in warmen Wohnzimmern und guckt TV, die restlichen 6% vergeudet ihr mit ineffizienten Beschäftigungen und im Zweifel einem weiteren Aufenthalt auf der gemütlichen Couch vor dem Fernseher…

Zurück zum eigentlichen Vorgang. Die Arbeit “Blasen, Häckseln, Saugen” ist in folgende Schritte unterteilt und wird regelmäßig zu den Zeiten, in denen ich mich Wichtigerem widmen möchte, durch ein mir völlig unverständliches “kollektives Bewusstsein” ausgeführt.

  1. die Planung / Zeitaufwand: 15min
  2. das Blasen / Zeitaufwand: 60-120min
  3. das Häckseln / Zeitaufwand: dito
  4. das Saugen / Zeitaufwand: 30-60min
  5. die Selbst-Lobpreisung / Zeitaufwand: 2-3 Bier

Der Ablauf selbst wird von schierem Größenwahn und missverstandenem Technik-Enthusiasmus geleitet. Die Maschinen zusammen kosten einige Euro mehr als eine 12-wöchige Psychotherapie – gerade in der gefürchteten Wirtschaftskrise eine mir völlig unverständliche Fehlinvestition.

Blätter (das Herbstlaub) werden längst nicht mehr mit den Händen oder einem Rechen (siehe obiges Bild) gesammelt, sondern mit teuren, lauten und noch lauteren Maschinen. Die Blätter werden heutzutage fachgerecht mit sogenannten “Laubbläsern” an vorgesehene Sammelstellen gezwungen, um im nächsten Schritt zerhäckselt zu werden.

Laubbläser im Einsatz

Wie auf dem Bild leicht zu erkennen ist, handelt es sich beim Laubblasen um eine ernsthafte und sehr wichtige Angelegenheit. Im Beispiel vermutlich, um eine etwaige Rutschgefahr auszumerzen – oder aber, um den 1-Euro-Jobs endlich eine substantielle Grundlage zu bieten und für absoluten Schwachsinn Geld auszugeben. Wer hat, der kann, nicht wahr?

Nun werden die Blätter also zerhäckselt. Das funktioniert mit einer handelsüblichen Maschine, beispielsweise mit diesem Mittelklassemodell ATIKA MHD 2800. Ebenfalls laut, jedoch mit knapp 220 Euro relativ günstig. Wer sich allerdings mit so einem lächerlichen Gerät im Vorgarten zeigt, der sollte sich ein wenig schämen.

Schritt #3 ist die Quintessenz der gesamten Prozedur; das Laub ist nun zerhäckselt und kann folglich in “kleinen Häppchen” dem Biomüll zugeführt werden. Nein! Stopp! Es könnte so sein. Jedoch wird nun zusätzlich noch der beliebte Laubsauger ausgepackt, um auch die letzten Reste des feindlichen Herbstlaubs fein säuberlich vom Boden, Rasen oder hässlichem Vorgartenbeton aufzulecken. Klinisch rein – muss Wahnsinn sein.

Was ist eigentlich Effizienz?

Wikipedia erklärt den Begriff Effizienz eindeutig:

[...] das Verhältnis zwischen der Größe der erbrachten Leistung und der Größe des Aufwandes.

Der oben beschriebene Vorgang ist folglich absolut ineffizient. In meinen Augen sogar zu 100% wirkungslos. Zwar wird “gewirkt”, jedoch ohne einen erkennbaren Sinn oder vernünftigen Zweck. Wen stört das Laub eigentlich? Das ist mein Ernst: Stört dich, als Laubbläser, -häcksler und -sauger die völlig natürliche Herbstlaubsinfonie wirklich? Oder suchst du lediglich nach Ausreden, um dem muffigen Wohnzimmer für ein paar Stunden zu entkommen? Wieso musst du mir ständig auf die Nerven gehen, indem du laut und ineffizient einer Arbeit nachgehst, die mir (und dem Rest der Gesellschaft) von keinerlei Nutzen ist?

Das sind Fragen, die mich in diesem Herbst besonders beschäftigen. Nach meinem wohlverdienten Umzug in eine “gehobene Gegend” fällt mir dieser Schwachsinn erstmals seit Jahren wieder auf. Es ist schade, dass du und deine Gleichgesinnten keine besseren (lies: effizienteren) Beschäftigungen findet.

Ist denn die Reputation in der Nachbarschaft wirklich so wichtig, dass du dir teure Maschinen kaufen musst? Der Arbeitsaufwand und das Ergebnis stehen in keinem lohnenden Verhältnis – und dennoch wiederholst du diesen Vorgang auch im nächsten Jahr, wenn die Blätter von den Bäumen fallen…

Hinweis: Vor circa einem Jahr hatte ein anderer Blogger einen ähnlichen Geistesblitz: Laubsauger-Verbot (Schoggo-TV) – Wir sind Brüder im Geiste, usw.

Kategorie Persönlich
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